Eine jahrhundertalte Tradition mit überraschenden Erkenntnissen für engagierte Köche

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Die einfachen Straßenküchen, denen man in jedem asiatischen Land begegnet, sind fester Bestandteil der dortigen kulinarischen Kultur. Gekocht wird unter freiem Himmel, die Zutaten erscheinen uns mehr als exotisch, hiesige Veterinärinspekteure würden qualvoll zusammen brechen – alles ganz anders als bei uns, oder? Und doch gibt es Einiges für uns zu lernen.

Wenn die Menschen nicht zum Essen kommen, muss das Essen eben zu den Menschen gehen. Asiatische Straßenküchen sind immer genau da, wo die Gäste sie brauchen. Auf dem Arbeits- oder Heimweg, während der Pause oder in den Ausgeh-Bezirken am Abend – die gewünschte Mahlzeit ist ständig verfügbar. Bei uns sind Foodtrucks und Pop-up Restaurants zaghafte Anfänge dieser Idee – aber warum zum Geier muss man in Gewerbegebieten und Bürobezirken immer noch zehn Minuten bis zu einem Foodstand laufen, um sich dort weitere 5 Minuten für eine Currywurst anzustellen?

Zeig den Gästen, dass Du kochst. Der in Asien gebräuchliche einhändige Wok über Holzfeuer ist das perfekte Werkzeug für engagierte Küchenarbeit. Der Gast sieht, riecht, hört, fühlt, wie seine Mahlzeit zubereitet wird. Und während er eine Minute wartet, freut er sich darauf. Und in Deutschland? Einheits-Bratwurst auf den Flächengrill (immer schön abschaben zwischendurch), durch den elektrischen Cutter, die seit einer Stunde stehende Sauce aus der GN-Schale obendrauf, „zwei Euro bitte“. Mahlzeit. Wie wäre es mal mit etwas Handarbeit zwischendurch? Arbeite mit dem Messer, dekoriere die Gerichte mit der Hand, rede mit den Gästen dabei, zeig Dein Handwerk!

Koche, was Du liebst – und nur das. Asiatische Straßenküchen bieten meist genau ein Gericht an. Dann kannst Du aber sicher sein, dass dieses eine Gericht perfekt zubereitet ist. Denn Oma und Opa, Mama und Papa und jetzt die Kinder machen das nämlich schon eine ganze Weile, vielleicht seit Generationen. Sie stehen für dieses eine Gericht – das ist Authentizität! Den Versuch, „alles aus einer Hand“ anzubieten – Bratwurst, Pizza, Döner und Bami Goreng – werden die Gäste Dir nicht abkaufen.

Zeige Deinen Gästen, dass Du anders bist, als die anderen. Jede Straßenküche in Asien unterscheidet sich von der nebenan. Schon von weitem kann man erkennen, welche Speise hier angeboten wird – und dann gezielt darauf zusteuern. Der Genuss für den Gast beginnt schon, wenn er sich eine Speise vorstellt und sich dafür entscheidet. Und bei uns? Der weiße Einachser mit der verführerisch-roten Aufschrift „Imbiss“ verkündet dem Gast schon aus der Ferne, was er hier zu erwarten hat: Standard-Futter.

Das Fazit: StreetFood in Deutschland wird langsam zum Trend – getrieben von einer noch kleinen Anzahl attraktiver Konzepte. Ein bisschen mehr „öffentlicher Stolz“ auf den Beruf des Kochs, ein bisschen mehr Mut zur Individualität, ein bisschen mehr Konzentration auf das Wesentliche stünde uns jedoch gut zu Gesicht. Es müssen ja nicht gleich Hühner vor den Augen der Gäste geschlachtet werden…