Wo sind sie, die jungen Leute, die Koch/Köchin lernen möchten? Warum kommen – und bleiben – sie nicht?

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Kochlehre! Wer macht denn sowas? Heute wird am liebsten studiert, im Ausland oder möglichst weit weg von zu Hause, immer auf der Suche nach einem tollen Abschluss. Duale Studiengänge statt dualer Berufsausbildung, heißt die Devise. Vom Geld einmal ganz zu schweigen. Wie kommt das? Koch/Köchin möchten nur noch wenige werden – da helfen auch die Kochshows im Fernsehen nicht, eher im Gegenteil. Die jungen Leute legen heute großen Wert auf ihre Hobbys, nehmen sich mehr Zeit für Freizeit, die klassische Lehre in der Gastro passt da oft nicht rein.

Was soll da helfen? Gute Angebote und Initiativen aus der Küche beispielsweise, sie könnten den Unterschied machen. Wie wärs mal damit? Eine familienfreundliche Teilzeitausbildung (ja, das gibt es wirklich), Zusatzleistungen, die kein Geld sind, also, zum Beispiel Weiterbildung. Essensgutscheine oder Sportangebote, Lernunterstützung vom Betrieb (Nachhilfe, Lerngruppen, Praxisstunden). Nicht zu vergessen ein lebendiges Netzwerk von aktuellen und ehemaligen Absolventen, sei es über Online Communities oder aktiv im richtigen Leben. Gemeinsame Interessen verbinden!

Ja, das mag aufwändig klingen, aber es wird sich lohnen. Findet heraus, wer und wo eure künftigen Azubis sind. Was wollen sie, womit können wir sie für uns begeistern? Anregungen und Austausch unter Kollegen sind immens wichtig, deshalb nutzt auch die ChefsCommunity für dieses wichtige Thema. Die Zeiten, in denen Köche mit Stolz sagen konnten „Die Ausbildung war eine der besten Zeiten meines Lebens“, dürfen einfach nicht vorbei sein. Und wer, wenn nicht wir Kollegen, können das hinkriegen.

Fakten zum Thema:

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Gemäß einer Untersuchung, die vom Institute of Culinary Art (ICA) in Auftrag gegeben wurde, ist  die Ausgangslage in Sachen Koch-Ausbildung desolat. Zum einen werden lediglich 80 von 100 ausgeschriebenen Ausbildungsstellen im Berufsfeld Koch/Köchin besetzt. 38 davon brechen die Ausbildung vorzeitig ab, acht weitere bestehen die Prüfung nicht und immerhin 13 verlassen die Branche.

Hinzu kommt: Die Gastronomie zählt zu den unattraktivsten Branchen, wenn es um Bezahlung und Arbeitszeiten geht. Gründe, warum ein Maurer-Azubi gut 1000 Euro im Monat bekommt und ein angehender Koch mit weniger als 700 Euro nach Hause geht, gibt es (zu) viele. Gleiches gilt für die Frage, warum der Beruf des Kochs von vornherein auf junge Menschen so unsexy wirkt. Glaubt man einem Bericht des Nachrichtensenders n-tv, gehören allein vier gastronomische Berufe zu denjenigen Berufen, „die man auf keinen Fall ausüben sollte“.